La principessa Turandot oder „Generation Beziehungsunfähig“

Immer wenn ich an die Oper denke, kommen mir tausend Bühnenbilder, Lieder und Scenen in den Kopf. Fast wehmütig, träume ich dann vor mich hin und summe eine kleine Arie. Wie? Du meinst die Oper ist langweililg oder zu ernst für dich? Ich habe es geahnt, somit will ich dir vorab erstmal ein kurzes Video als Zusammenfassung mitgeben. Also schnappt euch ein Glas Champagner und entspannt eure Vorurteile. 😉 Wir steigen in die Welt ein der Prinzessin Turandot.

Was Eis ist, soll ich werden? Die vielen Rätsel der Turandot.

Ihr merkt schon, ein Steven Spielberg hätte die Dramaturgie nicht schöner schreiben können als hier Puccini. Und passt es nicht sogar perfekt in die jetzige Zeit?

Überlegt mal. Man ist Single… man sucht jemaden der nicht ganz auf den Kopf gefallen ist und stellt ihm drei Fragen… daran merkt ihr gleich ob er nur ein „Dahergelaufener“ ist oder ob er vielleicht mit den ein oder anderen Vorlieben von euch mithalten kann. Und so hat es auch die Eisprinzessin Turandot getan.

Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft.

Fast schon witzig, wie gut es in die aktuelle Zeit passt. Frauen (m/w/s) sind eigenständig, aber trotzdem werden sie gerne erobert. Verwirrung und unterschiedliche Erwarungshaltungen sind somit fast schon vorprogrammiert. Die leicht zu beeindruckende Frau (m/w/s) ist leider out. Der moderne Gentlemen ist gefragt. In diesem ganzen Matching-Ego-Spiel geht die zierliche Pflanze der Liebe fast schon verloren. Ähnlich geht es Prinzessin Turandot. Sie liebt und lebt ihre Eigenständigkeit und versteckt sich vor der Möglichkeit der Liebe und verletzt zu werden. Viele Köpfe der Verehrer lässt sie rollen und zählt somit als gefühlskalt und grausam. Insgeheim hat sie aber eher Angst vor einer Bindung und sich unterzuordnen. Sind wir jetzt in dem aktuellen Buch/Film „Generation Beziehungsunfähig“ angekommen? Man könnte es fast vermuten 🙂

Quelle: wikipedia

Es ist Puccinis letzte Oper und er konnte sie nicht einmal beenden. Die Geschichte der Turandot ist aber bereits viel älter. Carlo Gozzi schrieb das Theaterstück bereits 1762 und es stammt aus einem persischen Märchen, der Sammlung Eintausendundein Tag. Auch Schiller versuchte sich an dem Stück im Rahmen einer Nachdichtung.

Am 26.April 1926 wurde Puccinis Oper Turandot in der mailänder Scala uraufgeführt. In München bereits am 11.Noveber 1927.

Somit ließen wir es uns nicht nehmen, dieses traumhafte Stück in der Müncher Oper am 13.10.21 zu erleben. Zu unserer größten Überraschung landeten wir aber nicht in einer Zeitreise in die Vergangenheit in die roaring 20th – sondern direkt in die Zukunft der Weltmacht China in 2046.

Die Natur in ihrer ganzen Wildheit siegt, nicht der Geist Credo der Romantik.

Programmheft Turandot der Staatsoper München, S. 40, Andrea Hartl

Die Welt, in der uns Carlus Padrissa – La Fura dels Baus entführt mit seinem modernen und chinesischen Bühnenbild ist eine Mischung aus Bladerunner und altehrwürdiger harmonischer Philosophie. Nichts der Gleichen hätte ich erwartet, wenn ich an die Arie „Nessun dorma“ denke und im geheimen Hinterkopf noch an einen Paul Potts aus einer Talent-Casting-Show. Sorry!

Quelle: https://www.muenchen-online.de/wp-content/uploads/2018/09/Oper_Operette.jpg

Eine Oper ist aber so viel mehr als das Stück und die beeindruckende Musik, welche dich in Wellen mehr und mehr erobert, je tiefer du in die Geschichte des Werkes sinkst. Noch mehr als die Gänsehaut, welche dir über den Rücken läuft wenn weltklasse Sänger/innen, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, eine Arie wie „Nessun dorma“ singen. Noch mehr als der 350 Jahre alte Prunkbau der Münchner Staatsoper.

Es ist auch wie du den Abend selbst für dich zelebrierst und inszenierst. Es ist kein Kinobesuch und auch keine spontane Idee. Es ist ein Stück Lebenszeit, welche die Sänger/innen dir an diesem Abend schenken. Ein Leben für die Musik, für das Training und die Disziplin, um dich zu erfreuen. Um dir die Geschichte der Musik, des Komponisten und der Zeit zu überreichen. Alleine deswegen sollte man etwas Ehrfurcht walten lassen vor diesen Menschen und Künstlern, welche für so ein Event sich verpflichten. Deswegen auch, Zeit die richtig guten Schuhe aus dem Schrank zu holen 😉 den feinsten Zwirn und auch die Manchettenknöpfe dürfen nicht fehlen.

Was fehlt also noch zur Perfektion? Natürlich der richtige Champanger 🙂 Wir entschieden uns stilecht in der Oper zu essen. Viele Möglichkeiten sind davor und danach wegen der Spielzeit auch nicht übrig. Aber das schmälert nicht die Köstlichkeiten, welche die Theatergastronomie des Hauses Dallmayr für uns zaubert im Ludwig Zwei Restaurant, im Erdgeschoss der Oper.

Die roten Samtvorhänge der Bühne finden sich hier an den Wänden wieder und zaubern eine intime Athmosphäre. Jetzt entsteht die Kunst am Teller und wir lassen uns von den lukullischen Freuden der Maestros der Dallmayr Küche verführen.

Welch ein Glücksfall, dass die Oper in drei Akten geteilt ist und somit etwas Zeit zwischen den Aufführungen für den Gaumenschmaus bleibt.

Wir starten mit dem Hauschampagner Champagne Dallmayr Premier Cru Brut.

Dieser aus handverlesenen Chardonnay- und Burgundertrauben bester Premier-Cru-Lagen erzeugte Champagner ist ein so delikater wie unwiderstehlicher Charmeur, voller Schmelz und Finesse. Sein Bukett verströmt den Duft einer Pâtisserie am Pariser Montmartre, alles hier ist Brioche, ist Vanille, Rosine und frischer Hefeteig – ist Gedicht. Eine wunderschöne Beschreibung des Hauses für ihren Schaumwein. A votre santé!

Dallmayr

Mit dem Premier Cru verbinden sich Emotionen der ganz besonderen Art. Da ist einerseits das Gefühl der Beruhigung und des Vertrauens in die konstant hohe Qualität, völlig unabhängig von Jahrgangsschwankungen. Und auf der anderen Seite ist da immer auch jener heitere Frohsinn, der sich spontan einstellt, sobald dieser Champagner im Glas prickelt.

Quelle

Es paart sich dazu ein Vorspeisenteller mit marinierten Gambas, Räucherlachs, geräucherte Entenbrust, angemachtes Rindertatar, Entenleberpraline, Couscous-Salat und Cumberlandsauce.
Besonders die Entenleberpraline war hervorragend und kann ich nur empfehlen.

Als Hauptgang wählten wir einmal den gebraten Filet vom Loup de mer, Hokkaido Kürbis, Kirschtomaten, Langkornreis, Bohnenkraut, schwarzer Quinoa, Weißweinnage und Fleur de sel. Und einmal die rosa gebratene Landentenbrust mit Trüffelnocken, Kräutersaitling, Walnuss- Orange und Portwein-Zwiebel-Marmelade. Tatsächlich war es ausgezeichnet, nur ist die Zeit zwischen den Akten doch etwas knapp bemessen um dem Gericht die nötige Aufmerksamkeit zu würdigen.

Als Dessert kamen wir zum lauwarmer Schokoladenkuchen mit Fruchtkompott und süßer Erde. Auch hier fühlten wir uns leider etwas gehetzt und hätten gerne den Abend auch nach der Vorführung noch fortgesetzt. Die Aussagen auf der Website sind hier leider etwas irrtierend. Nach der Vorstellung ist leider doch kein weiterer Gastro oder Barbetrieb möglich. Schade eigentlich, das Ambiente im roten Samt würde man doch gerne etwas länger nutzen und noch in den Gedanken der Oper schwärmen.

Dallmayr

Zusammengefasst war es aber ein grandioser Abend und verdient tosenden Applaus. Anna Pirozzi war eine wundervolle Turandot. Der Neapolitanerin kennt bereits die großen Bühnen der Scala in Mailand oder das Royal Opera House Covent Gareden in London. Große Partien wie in Aida, Norma oder Tosca sind ihr auf dem Leib geschneidert. Brian Jagde als Calaf (der Prinz, welcher Turandot erobert und für das happy end sorgt) singt ebenfalls weltweit die großen Partien als Tenor aus New York und tratt auch schon in der Metropolitan Opera auf. Und nicht zu vergessen die Rolle der Liu welche leider sich selbst erdolcht aus Liebe. Liu wurde von der russischen Elena Guseva als Sporan hervorragend gesungen.

Die Oper ist immer eine Reise in eine eigene Welt und ich könnte sie nicht höher bepunkten als mit FÜNF von fünf Sternen. Für die Gastro ist noch etwas Verbesserung möglich, was aber sehr viel mit dem Zeitmanagement des Stückes zu tun hat. Wir würden uns freuen wenn es nach der Veranstaltung vielleicht doch noch die Möglichkeit gäbe länger zu verweilen. 4 von fünf Sternen.

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