Ein literarischer Salon war ein zumeist privater gesellschaftlicher Treffpunkt für Diskussionen, Lesungen oder musikalische Veranstaltungen vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Neben literarischen und sonstigen künstlerischen Salons gab es auch politische und wissenschaftliche Salons. Träger waren unter anderem einzelne Mäzene. Vor allem wohlhabende gebildete Frauen, oft adeliger Herkunft, betätigten sich als Gastgeberinnen und wurden in dieser Eigenschaft Salonnière genannt. (Quelle: Wikipedia)

Vor kurzem habe ich fasziniert eine Sendung auf Arte verfolgt, dass diese Art der „Kaffeekränzchen“ die Frauen emanzipierte. Sie durften zwar nicht wählen oder hohe Schulen besuchen, geschweige den reisen, aber so holten sie sich die Welt in die eigenen vier Wände. Und ihr wisst doch, Netzwerk ist alles. 🙂
Als ich erfuhr das es in München im Cafe Luitpold einen Salon gibt, war ich sehr überrascht. Aber sie nehmen es tatsächlich ernst. Es sind keine oberflächlichen kleinen Reden die dort geschwungen werden sondern aktuelle und ernste Themen, welche durchaus auch Konzentration abverlangen.
Mein erster Besuch dort ging um die „Künstliche Intelligenz“ und wie man die Zukunft mit ihr philosophisch betrachtet. Ziemlich hochgestochen nicht wahr?
Na und? Es war brennend interessant. Nicht nur, dass mich das Puplikum faszinierte, man lernte wirklich Neues. Jetzt habe ich aber im Bereich KI durchaus ein gewisses Grundwissen.
Am 15.03.22 hatte ich so nach vielen Jahren mit und ohne Pandemie endlich wieder die Gelegeneheit einen Salon im Cafe Luitpold zu besuchen. Mit Pauken und Trompeten(!) und was für ein Thema! Aktuell wie immer und wie nie. Es geht um die Ethik und seine Grenzen.

So denkt man sich zu beginn, über Ethik muss man nicht viel wissen. Es ist wie man gerade sitzt und sich mit Messer und Gabel am Tisch abmüht. Weit gefehlt! Und es ist auch viel mehr als die Alternative zum Religionsunterricht in der Schule.

Aber was ist es den nun?
Diesmal waren im Salon wieder hochrangige Referenten welche sich dieses Thema nicht nur zu Herzen sondern auch zur Berufung gemacht haben. Der Herr rechts im Bild ist Wilhelm Vossenkuhl, ein deutscher Philosoph und emeritierter Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Autor und Herausgeber mehrerer Publikationen. Und er schrieb ein Buch über „Ethik und ihre Grenzen“.
Seine Beschreibung zu seinem Buch, gibt einen kleinen Ausblick:
Die Worte ›Moral‹, ›Sitte‹, ›Sittlichkeit‹ und ›Ethik‹ bedeuten nicht dasselbe, sind aber miteinander verwandt. Sitten leiten das Denken und Handeln mehr oder weniger bewusst, Ethiken begründen es. Für Begründungen benötigen Ethiken Begriffe, die sie in einen theoretischen Rahmen stellen, der ihnen Überzeugungskraft verleihen soll. Sitten haben dagegen keine begrifflichen Grundlagen, sondern sind Anschauungen mit Namen. Sie haben einen exemplarischen Charakter und können nicht begründet, sondern nur beschrieben werden. In dieser Einführung geht es um die Frage, was Ethiken im Unterschied zu Sitten leisten und wo beide ihre Grenzen finden. Wilhelm Vossenkuhl zeigt dies erzählerisch unter Rückgriff auf die Geschichte des moralischen Denkens und anhand alltäglicher Fragen wie Sorge, Lust und Schmerz, Freude und Trauer, Leben und Sterben. Ein unkonventionelles Buch, das zu zahlreichen aktuellen ethischen Fragen, aber auch zum Fach Ethik insgesamt, kritisch Stellung bezieht. (Quelle: Meiner Verlag)

Ich glaube ihr merkt schon, dass hinter diesen vermeintlichen Fachbegriffen unser tägliches Fühlen und Handeln steckt. Noch viel mehr, auch unsere Erziehung, unsere Familie und unsere Partnerschaft. Es betrifft uns somit alle und so ist es aber doch individuelle Ansichtssache und Entscheidung „was für einen selbst gilt“.
Karsten Fischer, war an diesem Abend sein Gesprächspartner auf der Bühne. Er ist Professor für Politische Theorie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist zudem Mitglied des „Instituts für Religion und Politik„. Seine Lehr- und Forschungsgebiete umfassen die Politische Ideengeschichte, … – also ein Mann, welcher durchaus bei dem Thema mithalten kann und die richtigen Fragen stellt.

Ein fordernder Abend und sicher nichts nach einem harten Arbeitstag, nachdem man sich nur abgekämpft auf seine Couch wünscht. Aber für alle, die mal etwas anderes konsumieren wollen als RTL und Sat1, eine willkommene Abwechslung welche den Horizont enorm erweitert.
Noch kurz zum Ambiente, ihr seht es bereits an den Bildern 🙂 Es ist ein Palmengarten! Ja, echte Palmen unter einer wundervollen Glaskuppel. Eine kleine Beschreibung dieser tollen Location von ihrer Seite:

Der FEENPALAST seit 1888
Das Cafe Luitpold ist eine Münchener Institution und liegt im prachtvollen Brienner Quartier. Ein urbanes Kaffeehaus, das Charme, Stil und Weltoffenheit mit Tradition und Leidenschaft für gutes Essen verbindet. Das atmosphärische Restaurant und der Palmengarten mit seiner 12 Meter hohen Glaskuppel sind der ideale Ort für einen leichten Business-Lunch oder ein gepflegtes abendliches Dinner. (Quelle)

Jetzt komme ich zum Ende von meinem Bericht und kann nur „Danke“ sagen, zu einem wieder gelungenen Abend in einem Salon der seines gleichen sucht. Natürlich hat auch der Schaumwein nicht gefeht 🙂 und ich kann euch mit Freuden sagen, dass dort Champagner Ruinart Brut AC ausgeschenkt wird. Ihr merkt schon… eine schöne Location, ein spannendes Thema und die richtigen Perlen im Glas.
Von mir bekommt das Cafe Luitpold für seinen Salon fünf von fünf Sternen 🙂