
Runde Geburtstage sind wie man weiß, ja nur alle 10 Jahre. Hat man als Kind und Jugendlicher noch stark auf das Älterwerden hingefiebert, so versucht man es umso mehr zu bremsen, wenn man über die 30 kommt. Zusammengefasst, wissen wir aber schon vom Wein, dass er mit dem Alter erst besser wird. Und insgeheim ist es bei uns Menschen doch genauso. Wir bekommen mehr Ecken und Kanten, mehr Kratzer und Persönlichkeit – mehr Tiefe und Inhalt. Das hört sich für mich sogar sehr gut an.
Kurz gesagt, bei mir war mal wieder dieser Tag der Tage und ich hatte Glück. Nicht nur, dass ich meinen Geburtstag nicht so wichtig nehme, es ist mir so recht wie jeder andere Grund zu feiern. Oder wie jeder Tag, an dem man mit einem Glas Champagner anstoßen kann.
Für meine Famlie ist es geradezu eine Feierwoche, da witziger Weise meine Schwester und mein Stiefvater in der selben Zeit Geburtstag zu feiern pflegen. So legen wir gerne alles zusammen und frönen dem guten Essen, der großzügigen Geschenke und den wohlschmeckenden Getränken. Mit Vorliebe etwas schäumendes im eleganten Stilglas.
Mein Glück bezog sich also nicht nur auf meine tolle und feierwütige und -fähige Familie, sondern auf meinen Freund Tom. Denn diesmal wurde ich an meinem Geburtstag entführt.
Für Überraschungen hege ich eine klare Hassliebe 🙂 Meine Neugierde macht es für mich unerträglich aber die erlösende Freude der Offenbarung macht vieles wieder gut.
In Mitten der Oberpfalz, im Nirgendwo hinter Amberg sollte das Ziel sein. Ich konnte es nicht mal im Ansatz erraten was dort bitte sein sollte, außer Wald, Seen und der obligatorische Fuchs und Hase, die sich „gute Nacht“ sagen? So stieg die Spannung um jeden Kilometer. Praktischer Weise hatte ich für jede Eventualität ein passendes Kleidungsstück und Schuhe (wichtig!!!) dabei. Wir näherten uns Neunburg vorm Wald. Welch passender Zusatz zum Ortsnahmen 🙂 Ich war noch nie dort und konnte mir immer noch keinen Reim daraus machen. Ich zappelte schon ganz aufgeregt auf meinem Beifahrersitz als wir die lange und geschwungene Allee des Resort „Birkenhof“ einfuhren.
Was für eine Anlage! Was für ein Gebäude! Ich freute mich schon sehr über den ersten Eindruck und strahlte Tom an wie ein Honigkuchenpferd (kennt ihr diese Redewendung?) Dabei sollte das alles erst der Anfang sein.
Erstmal ein Begrüßungs-Schaumwein wegen der Aufregung 🙂 So konnte ich die Lobby des Resorts voll und ganz auf ich mich wirken lassen. Die Hauptattraktion des Tages sollte aber das Abendessen sein. Hier mitten im Seenland hat sich nämlich ein zwei Sterne Restaurant versteckt.

Hubert Obendorfer gehört nicht nur das fünf Sterne Resort, sondern ist auch im Restaurant Eisvogel der Zauberer am Herd mit glatten zwei Michelin Sternen. Seit 9.3.22 wieder frisch von Michelin bestätigt. Somit will ich euch nicht über meine Erlebnisse im Hotel langweilen 🙂 sondern springe gleich zum Abend.
Aufgerüscht und geschmückt, freute ich mich schon auf das kommende Abendessen und es sollte noch viel toller werden. Natürlich waren meine Louboutins als einziges Schuhwerk angemessen für diesen Abend.
Wir wurden von Frau Obendorfer sen. ins Restaurant geführt. Eine tolle Frau, welche sprüht vor Stolz auf ihren Sohn, den Chefkoch.
Ein beeindruckender Raum. Oval mit einer herrlichen Fensterfront, die den weiten Blick in die Seenlandschaft offenbarte. In der Mitte baute sich ein imposanter Kirschholz-Weinhumidor auf, welcher das Oval des Raumes unterstrich und allem auch eine gewisse Diskretion gab. Der weiche Wollteppich unter meinen Heels gab etwas gemütliches und heimeliges. Ich zähle vielleicht 8 Tische, was diesem Rahmen eine erhöhte Exklusivität verleiht. Wir wurden an einen seitlichen Tisch an der Fensterfront platziert und hatten so einen guten Blick über das Restaurant, wie auch auf den beeindruckenden Weinschrank.
Eine sehr charmante Dame mit ener umfassenden Weinkompetenz hieß uns willkommen. Miriam Mette begleitete und bereicherte unseren Abend sehr.
Als wir uns von der Umgebung etwas satt gesehen hatten, erfrischten wir unsere Nerven mit einem kühlen Glas Champagner und kamen in der Location etwas mehr an. Auf ein kleines „Prösterchen“ und auf einen besonderen Abend.
Die Atmosphäre war sehr angenehm, ruhig aber nicht spießig. Elegant aber nicht aufgesetzt. Genau das richtige Maß der Dinge. Frau Mette begleitete uns durch alle sieben Gänge des zwei Sterne Meisterwerks. Somit lehnt euch zurück und lasst euch das Wasser im Munde zusammenlaufen. Ich gehe jetzt etwas näher auf dieses verzaubernde Menü von Herrn Obendorfer ein.

Als amuse bouche reichte man uns selbstgebackenes Brot mit Salzen aus aller Welt. Sogar schwarzes Salz mit ganz neuen Geschmacksnoten aus Hawaii. Es ist die Aktivkohle der Lava, welche einen gewissen mineralischen und erdigen Geschmack dem Salz verleiht. Sehr interessant.
Es folgte als erster Gang eine Meerforelle mit Spinat, Blumenkohl und Eis aus Chardonnay. Man bemerke, der Wein liegt bereits auf dem Teller. Frau Mette servierte uns dazu einen außergewöhnlichen BLA Sparkling Tea aus Dänemark. Tatsächlich ein überraschend spritziges und sehr gut ergänzendes Getränk zur Meerforelle.
Es follgte eine „Toblerone“ aus Foie Gras, Orange, Mandel und Brioche (zweiter Gang). Wenn es einen Himmel für mich gäbe, dann wäre er aus Foie Gras (ohne Tierquälerei) und fluffigen Wolken aus Brioche. Dazu wurde uns ein 2018 Riesling Kabinett von Bassemann-Jordan kredenzt. Er fing die Süße des Brioche perfekt auf und war ein Gedicht zur Foie Gras.
Beim Kalbsbries (dritter Gang) mit Mango, Linsen, grünem Curry und Thai-Basilikum war ich anfangs skeptisch, ob es meinen Geschmack treffen würde. Ich wurde eines besseren belehrt. Wer konnte ahnen, dass man eine Wachstumsdrüse des Kalbes so delikat zubereiten kann. Dazu war der 2020 Sauvignon Blanc des Weingut Kleine eine sehr gute Wahl. Sein feines Bukett nach schwarzen Johannisbeeren passte hervorragend zum grünen Curry.

Es folgte der Fischgang (vierter Gang). Ein eleganter Steinbutt mit Joselito Schinken, Erdkastanie und Kerbel fand seinen Platz auf unserem Tisch und wurde uns zeitgleich durch das geschulte und sehr freundliche Personal serviert. Dazu reichte man diesmal einen 2018 Weißburgunder Montonia aus dem Weingut am Stein aus Franken. Der sehr gehaltvolle, mit feiner Säure abgestimmte Tropfen setzte dem Edelfisch die Krone auf.
Glücklich lehnten wir uns in unsere Stühle zurück und genossen die letzten Schlucke des Weißburgunders. Wir resümierten über die bereits verputzten Gänge, welche einer wie der andere kunstvoll und detailliert dekoriert und drapiert wurde. Ein jeder Gang gilt hier als Würdigung und schon fast Anbetung der einzelnen Rohstoffe und Zutaten. Einzeln in Szene gesetzt und zum absoluten Bühnenstar auf dem Teller inszeniert. Das ist Essen auf höchstem Niveau und eine Freude für alle Sinne!
Als hätte man nicht schon jetzt voller Überzeugung mehrfach auf Herrn Obendorfer und seine zwei Michelinsterne angestoßen, geht das Menü sogar noch weiter.
Ein weiterer Hauptgang (fünfter Gang) mit einer französischen Barberie Ente „le Prince de Dobes“. An den Entenspitzen schmiegte sich sanftes Topinambur Püree, Blaukraut und arabische Baharat-Gewürz. eine wunderbare Vereinbarung von Ost und West, die französische Ente mit den arabischen Gewürzen. Auch hier fehlte der richtige begleitende Wein nicht. Wir zögerten kurz als es sich um einen österreichischen Rotwein handelte. 2010er Imperial rot vom Schloss Halbturn aus dem Burgenland . Aber auch hier war die Komposition von Speiß und Trank von Frau Mette ideal. Nach diesem triumphalen Höhepunkt folgte noch der passende Abschluss.
Hier sind Tom und ich uns selten einig. Aber warum auch „entweder oder“, wenn es auch ein „sowohl als auch“ gibt 🙂

Da ein süßer Mann auch eine süße Nachspeise bevorzugt, folgte ein Dessert (sechster Gang) mit Waldheidelbeere, Schafsjoghurt, Kürbiskern und Schafgarbe. Dazu gibt es wohl nichts idealeres als eine 2017er Rieslaner „Auslese“ vom Weingut Phillip Kuhn, aus der Pfalz. Ein gekonnter, schöner Abschluss.
Ich habe mich für den Käsewagen vom Affineur (sogenannte Käseverfeinerer) entschieden. Die reiche Auswahl auf dem Wagen war eine Reise durch alle Regionen Frankreichs, damit die Wahl besonders schwer fiel. Ich habe mich eher für ausgewählte Hartkäse und Blauschimmel entschieden. Dazu feiner Feigensenf und selbstgemachtes Früchtebrot. Als perfekte Weinbegleitung wurde mir ein 2019 Brachetto d’Acqui von Cantina Braida aus dem Piemont gereicht. Ich schwelgte im Schmelz des Käses und den Trauben aus dem Piemont.

Durch die exklusive Größe des zwei Sterne Kleinodes war auch zu fortgeschrittener Stunde die Atmosphäre noch sehr entspannt. 6-7 Tische, ca. 12 Personen kamen an diesem Abend in den besonderen Genuss des Ausnahmekochs Hubert Obendorfer in seinem Restaurant Eisvogel.
Keine Frage, wie wir schon Frau Obendorfer sen. euphorisch mitteilten, von uns würde ihr Sohn sofort 3 Sterne erhalten für diesen besonderen Gaumenschmaus.

Wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen. Hoffentlich auch wieder mit einer perfekten Weinbegleitung von Frau Miriam Mette.
Fünf von fünf Sternen gibts von uns. (Am liebsten natürlich noch einer mehr. )