Jazzbar Vogler – eine Parallelwelt

Der Name der Jazzbar klingt in meinem Kopf immer wie ein leises Versprechen. Das unscheinbare Straßenschild in der Rumfordstrasse 17, welch ein Geheimnis birgt und mich zum lächeln bringt. Ja, sogar mein Herz höher schlagen lässt.

Ein Geheimnis der Sehnsucht, der Musik, der schumrigen Beleuchtung. Ein Geheimnis jener welcher Besucher und Eingeschworenen dieses magischen Platzes. Wenn man die Eingangstüren durchquert fühlt man sich unter Seinesgleichen nämlich Freunde des guten Jazz. Menschen, welche die Baratmosphäre lieben und für ein paar Stunden in dieser Welt versinken wollen sind hier genau richtig. Man schließt die Augen und wenn man diese wieder öffnet ist man in New Orleans. Schwarzer Ruß hängt in den Zimmerdecken, es bröckelt vermeintlich der Putz von den Wänden und das flackernde, schwache Licht der nackten Kronleuchter beleuchtet die Bühne. Alles wirkt ein wenig heimlich und abgelegen, wie als wäre man auf einer Flüsterparty, von der niemand erfahren darf. An den Wänden hängen Momentaufnahmen früherer Auftritte von Musikern, welche gerade voll und ganz in ihrer Leidenschaft aufgehen – dem Jazz. Das Puplikum lauscht andächtig diesen Augenblicken, welche niemals wiederkehren und wie eine Sternschnuppe hell aufleuchten um dann zu verglühen. Ein einmaliger Klang kommt von dieser goldenen Bühne. Golden als hätte Herr Vogler beim Bau dieser geahnt, dass es goldene Momente sein werden für jeden der die Bretter betreten wird. Es braucht keine berühmten Juroren um zu begreifen, dass diesere Ort ein Kleinod ist und jeder Musiker und Besucher sich glücklich schätzen darf hier sein zu können. Ich durfte zum Glück – und auch zu meiner Erfüllung – schon viele Stunden hier verbringen und jedesmal aufs Neue bin ich fasziniert, gefangen im Rausch der Musik und der Atmosphäre.

Am 26.02.22 teilte ich mit Tom diese Erfahrung und wir kamen in den Genuß eines Ausnahmetalentes. Eine zierliche, junge Frau mit feinen Gesichtszügen und brünettem Haar, betrat die Bühne. Sie trug ein weites Männer Jacket über ihrem fließenden, grauen Seidenkleid. Als würde sie versuchen zwei Welten zu vereinen. Die strenge maskuline Seite durch die breiten Schulterposter des Jacketts und die feminine Seite geprägt von den fließenden Linien des Seidenkleies, welche ihren Körper umschmiegten.

Hannah Weiß, eine wundervolle Jazzsängerin welche von ihrem Talent weiß und auch schon durch die ein oder andere Auszeichnung verwöhnt ist. Die Bühne des Voglers betritt sie nicht zum ersten Mal, das verrät ihre suveräne Art. Und so steigt spürbar die Spannung in der Luft als das Quartett ins Scheinwerferlicht tritt. Die Bar ist voll. Ausgebucht mit internationalen Puplikum. An diesem Ort ist die Welt noch in Ordnung und so teilen sich weiße Dinnerjackets mit groben Kuschelpullis die Plätze.

Das weiße Dinnerjacket

Egal of auf englisch, chinesisch oder italienisch man wiegt sich im Takt des Bassisten Robin Jermer. Die Anschläge des Pianos (Sam Hylton) und deren Intensität und Sanftmut geben einem das Gefühl einer Umarmung, in die man sich gerne fallen lässt. Während der Drummer (Flurin Mück) mit seinem Jazzbesen eine neue Ebene im Raum erschafft auf der wir uns gerne tragen lassen.

Soviel der Schmetterline im Bauch die die Kraft des Jazz hervorbringen – oder war es doch eher das Kribbeln der Sterne welche aus dem Champagner hervorsprudeln? Heute Nacht trinke ich Sterne, wie schon Dom Perignon verzückt ausrief. Wie hätte er auch nicht entzückt sein können?! Es kann noch gar nicht so lange her sein, dass ich mich hier auf Spaghetti Pesto und ein Glas Chardonnay gefreut habe, aber auch an diesem Ort bleibt die Zeit nicht stehen und Herr Vogler hebt seine Bar – trotz der widrigen Umstände des letzten Jahres – wieder um eine Ebene höher. Champagner und Sushi steht auf seiner Speisekarte. Eine exotische Mischung und das beweist wiedermal die Bandbreite des Inhabers wie auch die seines Publikums. Immer wenn ich hier zurückkehre, gibt es etwas neues zu entdecken, zum Beispiel dass Herr Vogler auch Buchautor ist.

Es bleibt meine liebste Jazzbar und zum Glück konnte ich seinen Zauber jetzt auch mit Tom teilen. Auf die nächsten Jahrzehnte lieber Herr Vogler.

PS: 10 von 5 Sternen 😉

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